Livebloggen – was steckt dahinter und: Wäre das etwas für dich oder deine Auftraggeber?

Heute möchte ich dich mitnehmen auf eine Reise zu möglichen Formaten, die dir vielleicht Spaß machen und/oder für deine Kunden und Auftraggeber relevant sein könnten. Ich spreche von Liveblogs! Live what? Du weißt schon, der Ticker beim Fußball, die Updates, die man liest, wenn irgendwo etwas Schlimmes passiert ist, Politiker zum x-ten Mal bis spät in die Nacht tagen oder eben zu ganz anderen Gelegenheiten … und da ich bei diesem Thema zugegebenermaßen blutige Anfängerin bin, habe ich mir Hilfe geholt und mich aufklären lassen von Naomi Owusu. Sie ist CEO „Scale“ und Co-Founder von Tickaroo und dort vor allem für Business Growth, Strategie und Skalierung zuständig. Heißt: Sie macht das Livebloggen populär! Ich habe sie zum Interview gebeten und im Anschluss räumt sie in einem Gast-Artikel mit den typischen 5 Liveblog-Mythen auf.

Naomi Owusu, wo konkret entfalten Liveblogs ihr volles Potenzial? 

Die Antwort darauf hängt mit dieser übergeordneten Frage zusammen: Zu welchen Anlässen sind Menschen auf schnell verfügbare und verlässliche Informationen angewiesen?

Hier ergeben sich eine ganze Reihe von möglichen Einsatzgebieten: Liveblogs im Sport, Liveblogs zu politischen Wahlen, Liveblogs für das allgemeine Tagesgeschehen, Liveblogs auf Messen und Veranstaltungen, Liveblogs in der Popkultur und für sinnvolle Zusammenfassungen der Nachrichtenlage.

Bevor so ein Blog live gehen kann, bedarf es ja einiger Vorbereitung. Was genau kommt auf mich zu, wenn ich mich dafür entscheide?

Ja, es müssen ein paar Weichen gestellt werden, wie beispielsweise:

– Wer sind die Verantwortlichen, die den Liveblog mit Inhalten füllen (ggfs. es gibt ein Team)?

– Wie groß ist das Team (untervergeben an Freie?)

– Welche Kapazitäten und Möglichkeiten ergeben sich daraus für den Texter-Alltag oder den Redaktionsbetrieb?

– Wie sieht die technische Ausstattung aus?

Bei der Themenplanung sollte man sich folgende Fragen stellen:

Über welche Ereignisse soll berichtet werden?

Welche Multimedia-Inhalte werden live erstellt und auf welchen Kanälen werden sie ausgespielt? Als Blog auf der Website oder beispielsweise auf Instagram?

Bevor wir zu den Mythen kommen, es gibt eine Kollegin hier im Verteiler, die das auf Instagram ganz wunderbar als Kolumne umsetzt – Vanessa von @vany.schreibt … sie bloggt über Trash-TV und das ziemlich erfolgreich und unterhaltsam. Wer es sich mal anschauen mag, sei herzlich willkommen. Das zeigt, dass man beim Livebloggenloggen niemals auf bestimmte Themen festgelegt ist. Welche Themen und Ideen fallen dir dazu ein?

Und jetzt zu den 5 Mythen

Mythos 1:Artikel fortlaufend aktualisieren – schon ist der Liveblog fertig!

Einfach einen Artikel aufsetzen und stetig aktualisieren macht noch keinen Liveblog. Eine der wesentlichen Funktionen ist es schließlich, dass ein zeitlicher Ablauf der Geschehnisse transparent dargestellt wird. Das Publikum kann sich so gleich darauf einstellen, dass hier laufend aktuelle News zu erwarten sind. Die besten Liveblogs entstehen übrigens direkt am Ort des Geschehens, inklusive Video- und Fotomaterial. Redakteure im „Außeneinsatz“ sind daher darauf angewiesen, schnell und unkompliziert Änderungen und Aktualisierungen selbst vornehmen zu können, ohne auf Vermittler in den heimischen Redaktionsräumen angewiesen zu sein.

Mythos 2: Nur in der Sportberichterstattung sind Liveblogs sinnvoll!

Gelbe Karte in Minute 25, ein Tor fällt kurz vor der Halbzeit, Elfmeter in der Nachspielzeit: Liveblogs sind ein Tool, das viele vor allem mit großen Sportereignissen in Verbindung bringen. Im Laufe der Zeit hat sich nun gezeigt: Nicht nur Fußball, Basketball oder Eishockey sind Events, bei denen das Publikum stets auf dem neuesten Stand bleiben möchte. Auch bei tagesaktuellen Ereignissen, Wahlen, Konzerten, Messen oder Konferenzen erwarten es Leser mittlerweile, mit ständig aktualisierten Informationen versorgt zu werden. Heutzutage

sind Smartphones allgegenwärtig und die technischen Voraussetzungen für diese neue Art der Berichterstattung somit gegeben – „mittendrin statt nur dabei“ wird daher zum Anspruch, um die Ereignisse dem Publikum noch näher zu bringen.

Mythos 3:Das Format ist nur für Momentaufnahmen geeignet!

Ein Liveblog ist immer so spannend, informativ und unterhaltsam wie der Content, mit dem er gefüllt wird. Liveberichterstattung beschränkt sich dabei nicht auf nüchterne Statusupdates. Vielmehr können Redaktionen und Publisher das Tool auch für neue Storytellingformate nutzen. News sind ein großer Mehrwert, doch nur in eine zusammenhängende Geschichte eingebunden, fesseln sie die Leser. Integrierte Videos, Bilder oder Social Media-Posts sorgen dabei nicht nur für Abwechslung beim Publikum, sondern es zeigt sich außerdem: bei emotionalem Content mit einer spannenden Story dahinter möchte die Zielgruppe „auf dem Laufenden“ bleiben. Dies führt zu deutlich höheren Aufrufzahlen als bei herkömmlichen Artikeln.

Mythos 4:Die Relevanz besteht nur unmittelbar während eines Ereignisses!

Das Spiel ist abgepfiffen, das Ereignis vorbei und somit kann auch der Liveblog offline geschaltet werden? Tatsächlich erfreut sich die Dokumentation wichtiger Veranstaltungen auch im Nachhinein noch regen Interesses – als Archiv zum Nachlesen. Aus diesem Grund stellt es für die Leser einen Mehrwert dar, wenn die Blogs im Anschluss nicht von der Bildfläche verschwinden, sondern auch zukünftig noch auf sie verlinkt wird. Die Reihenfolge der Postings kann dabei einfach umgedreht werden, sodass die Ereignisse chronologisch von Beginn bis zum Ende nachgelesen werden können. Doch nicht nur für die Zielgruppe, sondern auch für das Suchmaschinen-Ranking des Mediums wirkt es sich positiv aus, Liveblogs der Vergangenheit nicht offline zu schalten. Schließlich bleiben Einträge im Blog SEO-relevant und das Medium verschenkt keine nützlichen Chancen, die eigene Sichtbarkeit im Internet zu verbessern.

Mythos 5: Liveblogs haben eine kurze Verweildauer!

Ein kurzer Klick auf den neuesten Beitrag, ein schnelles Öffnen der Push-Benachrichtigung und dann ist der Leser wieder weg? Ein Irrglaube, denn Veranstaltungen wie die Schach-WM oder die Olympischen Spiele haben gezeigt, dass Live-News für das Publikum auch über einen Zeitraum von mehreren Tagen oder sogar Wochen hinweg relevant sein können. Viele Leser haben Liveblogs zudem in einem zusätzlichen Tab auf ihrem PC oder dem Second Screen geöffnet, sodass das Publikum mit Nichten nach jeder Aktualisierung im Blog erneut zurückgewonnen werden muss. Durch diese Mediennutzung weisen Liveblogs sogar eine deutlich höhere Verweildauer als herkömmliche Beiträge auf. Dies zeigt: Bei spannendem, emotionalem und relevantem Content in Echtzeit schaltet die Zielgruppe längst nicht ab – nicht nur Sportreporter sollten diese Erwartung ihrer Leser im Hinterkopf behalten.

Livebloggen – was  steckt dahinter und: Wäre das etwas für dich oder deine Kunden/Auftraggeber? Ich bin gespannt – wäre das Livebloggen was für dich? 

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