Perfektionist - ja oder nein?

Perfektionist – ja oder nein?

Bild: Canva

Tjaaaa, der liebe Perfektionismus. Ich gebe zu, ich neige dazu, Manches zu perfekt machen zu wollen. Und obwohl ich weiß, gerade online gilt das Motto „better done than perfect“, kann ich es nicht lassen und muss alles so haben wir ich es mir vorgestellt habe: perfekt. Und ist es nicht so, dass wir uns ungern von einem Arzt operieren lassen würden, für den 90 Prozent völlig ausreichend sind? Nein! Also … okay, ich produziere Magazine, schreibe Texte und operiere nicht am offenen Herzen, um Gottes Willen! Trotzdem möchte ich, dass meine Produkte bestmöglich sind und anderen Freude bereiten und nicht zum Ärgernis werden, weil ich denke: passt schon, raus damit. Fehler passieren ja trotzdem – ist menschlich. Der Anspruch an sich ist auch noch nicht schädlich, das wird es nur, wenn man es übertreibt. Eine Kollegin vom stern (Franziska Wolffheim) schrieb einst dazu: Psychologen unterscheiden zwischen einem gesunden „funktionalen“ und einem ungesunden „dysfunktionalen“ Perfektionismus. Der gesunde Perfektionist strebt danach, seine Sache gut zu machen. Er verfolgt seine Ziele gewissenhaft, freut sich über positive Ergebnisse, gesteht sich aber auch zu, auf dem Weg dahin nicht alles richtig zu machen. Fehler sind für ihn kein Weltuntergang, er kann loslassen und umdisponieren, wenn er merkt, dass ein Ziel nicht erreichbar ist. Der ungesunde Perfektionist dagegen ist abhängig von der Anerkennung durch andere und hat ständig Angst, zu versagen. Er legt die Latte hoch, unabhängig davon, ob das Ziel überhaupt realistisch ist. 

Das kannst du machen, wenn du zu einem ungesunden Perfektionismus neigst:

  • Schau die dir Inhalte deiner „Mitbewerber“ an – sind sie perfekt? Sicher nicht! Auch andere Profis – egal in welchem Bereich – haben nicht 
  • Überlege dir, warum es immer perfekt sein MUSS und nicht auch mal okay sein DARF?!
  • Hast du schon einmal darüber überlegt, dass das, was für dich perfekt ist, noch lange nicht für andere perfekt sein muss?
  • Wenn du ein konkretes Beispiel brauchst, dass auch Perfektionisten wie ich Fehler machen, dann nimm dir gerne meine Website vor. Worin bist du Experte und was findest du hier, was nicht perfekt ist? Nur zu!
  • Es gibt in meinen Augen keinen Grund, dass du dich schlecht fühlst, wenn du eine Arbeit ablieferst, die für dich vielleicht nicht perfekt, sondern nur nahezu perfekt ist. Ich bin mir sicher, du hast alles gegeben und dich voll reingekniet.
  • Ein Gedanke für dich: Wenn dich mal wieder dein eigener Perfektionismus überkommt, denk immer daran: Du bist der Experte, die Leute kommen zu dir, weil sie deine Expertise wünschen und nicht irgendeine Version von Perfektionismus, das du für dich mitunter gar nicht erreichen kannst.

Bei manchen Menschen, die etwas bewegt haben, gehört der Perfektionswahn sogar zum Image – etwa bei dem verstorbenen Apple-Chef Steve Jobs. Anders verhält es sich bei Alberto Alessi. Seit Jahrzehnten lässt der Italiener für seine Firma Alltagsgegenstände mit Design-Anspruch entwerfen. Durch kritische Kommentare von Kunden lasse er sich nicht beirren, meint Alessi, im Gegenteil: Flops und Niederlagen seien lehrreich und wertvoll. Er halte es mit dem Motto: „Es gibt kein perfektes Produkt. Es gibt immer nur eine Annäherung.“

Ich finde, das sagt schon viel aus. Ich zähle mich zu den gesunden Perfektionisten. Wie sieht es bei dir aus? Hast du dir dazu schonmal Gedanken gemacht? Ich wette ja! 

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Tjaaaa, der liebe Perfektionismus. Ich gebe zu, ich neige dazu, Manches zu perfekt machen zu wollen. Und obwohl ich weiß, gerade online gilt das Motto „better done than perfect“, kann ich es nicht lassen und muss alles so haben wir ich es mir vorgestellt habe: perfekt. Und ist es nicht so, dass wir uns ungern von einem Arzt operieren lassen würden, für den 90 Prozent völlig ausreichend sind? Nein! Also ... okay, ich produziere Magazine, schreibe Texte und operiere nicht am offenen Herzen, um Gottes Willen!